Qualitätssicherung in der Ernährungsmedizin – Mangelernährung frühzeitig erkennen und behandeln
Studien zufolge weisen 20 bis 50% der Patienten und Patientinnen bei der Aufnahme zur Behandlung ins Krankenhaus Erscheinungen von Mangelernährung auf. Besonders betroffen sind onkologische, geriatrische oder chirurgische Patienten und Patientinnen mit chronischen oder schweren Erkrankungen. Folgen einer Mangelernährung können eine verminderte Muskelkraft, eine erhöhte Sturzneigung, der Verlust an Selbstständigkeit sowie ein gesteigertes Sterberisiko sein. Dennoch ist Mangelernährung bei hospitalisierten Patienten und Patientinnen ein häufig unterschätztes Risiko. Das Diakonie-Klinikum begegnet diesem Risiko mit besonderer Aufmerksamkeit und gezielten Maßnahmen.
Um die Erkennung und Behandlung von Mangelernährung systematisch zu verbessern, haben wir mit der AOK Baden-Württemberg den Qualitätsvertrag „Diagnostik, Therapie und Prävention von Mangelernährung“ geschlossen.
Ziel dieses bundesweiten Projektes ist es, ein Risiko für Mangelernährung frühzeitig zu identifizieren und Betroffene gezielt durch eine leitliniengerechte und individuell angepasste ernährungsmedizinische Betreuung zu unterstützen. Dadurch soll der Ernährungszustand von Patienten und Patientinnen stabilisiert, Komplikationen reduziert und die Lebensqualität verbessert werden.
Geltungsbereiche und Ablauf des Qualitätsvertrags „Diagnostik, Therapie und Prävention von Mangelernährung“:
Der Qualitätsvertrag Mangelernährung gilt für Patientinnen und Patienten ausgewählter Fachbereiche unseres Hauses. Dazu zählen die Allgemeinchirurgie, Hämatoonkologie, Palliativmedizin, Gastroenterologie, die Intensivstation sowie Uroonkologische Fälle.
Im Rahmen des Qualitätsvertrags können Versicherte der teilnehmenden Krankenkassen von einem zusätzlichen systematischen Screening auf das Risiko einer Mangelernährung profitieren. Dieses erfolgt anhand standardisierter Fragen und ist unkompliziert sowie schnell durchführbar. So können wir frühzeitig reagieren und ernährungsmedizinische Maßnahmen gezielt in die Behandlung integrieren. Die Teilnahme ist freiwillig und mit keinerlei Kosten verbunden.
Die Teilnahme am Qualitätsvertrag Mangelernährung ist für uns ein wichtiger Baustein der Qualitätssicherung. Sie ermöglicht es uns, Ernährung als festen Bestandteil der Therapie zu etablieren und die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.
Ablauf für die teilnehmenden Versicherten:
- Screening mithilfe eines Fragebogens: Das Risiko für eine Mangelernährung wird mit Hilfe des „Nutritional-Risk-Screening-Bogens (NRS 2002) systematisch erfasst. Auf Basis der Antworten kann das Risiko für eine Mangelernährung frühzeitig erkannt werden
- Bei auffälligem Screening erfolgt eine ernährungsmedizinische Betreuung und Verlaufskontrollen inkl. Handkraftmessungen
- Entlassmanagement: individuelle ernährungstherapeutische Empfehlungen werden in den Entlassbrief integriert