Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) bzw. die Tachykardien unter Einbezug akzessorischer Leitungsbahnen (AVRT) betreffen normalerweise junge Menschen, können aber auch im höheren Erwachsenenalter auftreten.
Typisch ist ein plötzlich auftretendes Herzrasen, das aus völliger Ruhe heraus auftritt und ebenso schnell wieder verschwindet. Die Anfälle können wenige Minuten anhalten, können aber auch infolge mehrstündiger Anfallsdauer eine notfallmäßige Krankenhausaufnahme nötig machen. Die Patienten haben oft das Empfinden, als ob das Herzrasen ohne äußeren Anlass wie durch das Umlegen eines Schalters ausgelöst und auch wieder beendet wird. Manchmal können Schwindel und in seltenen Fällen auch Ohnmachtsanfälle auftreten. Lebensgefährlich ist diese Herzrhythmusstörung normalerweise nicht. Die Beschwerden sind jedoch im Einzelfall sehr unangenehm und können zum Beispiel im Straßenverkehr durchaus gefährlich werden.
Ursächlich verantwortlich für diese Herzrhythmusstörungen ist entweder eine — vereinfacht gesprochen — doppelte elektrische Leitung im sogenannten AV-Knoten, über den die Erregung von den Vorhöfen auf die Herzkammern übertragen wird oder eine angeborene Kurzschlussverbindung zwischen Vorhof und Hauptkammer auf der rechten oder linken Seite des Herzens.
Die Doppelung der Erregungsleitung im AV-Knoten stellt für sich alleine keinen krankhaften Befund dar. Im Laufe des Lebens kann es jedoch zu Veränderungen der Leitungseigenschaften dieser beiden „AV-Knoten-Bahnen“ kommen, die zu einer kreisenden Erregung der elektrischen Impulse und dadurch zu einem stark beschleunigten Puls führen. Die angeborene Kurzschlussverbindung zwischen Vorhof und Hauptkammer führt demgegenüber entweder zu einer kreisenden Erregung unter - in der Regel - Einbezug des AV-Knotens oder zu einer schnellen Überleitung von Rhythmusstörungen der Vorhöfe wie Vorhofflimmern auf die Hauptkammer.
Bei subjektiver Einschränkung der Lebensqualität, insbesondere bei sehr häufigen und langanhaltenden Anfällen mit Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen bzw. der Notwendigkeit zur Notfalleinweisung in ein Krankenhaus sollte auch bei jungen Menschen eine Verödung (Katheterablation) der überflüssigen Leitungsbahn angeraten werden, da in über 95 % die Patienten mit diesem Eingriff geheilt werden können.
Der Eingriff der Katheterablation dauert üblicherweise 1-1,5 Std.
Bei der Katheterablation einer AV-Knoten-Reentry-Tachykardie werden nach örtlicher Betäubung von der Leistenvene aus mehrere millimeterdünne Kunststoffschläuche (Elektrodenkatheter) zum Herzen vorgeschoben und dort platziert. Bei großer innerer Unruhe des Patienten können Medikamente eingesetzt werden, die ihn in einen leichten Dämmer- oder Schlafzustand versetzen. Es muss jedoch betont werden, dass — abgesehen von der lokalen Betäubung — der Eingriff völlig schmerzfrei ist.
Zur sicheren Feststellung einer AVNRT wird die Herzrhythmusstörung durch elektrische Impulse ausgelöst, die der Patient jedoch allenfalls als einzelne Extraschläge verspürt. Jederzeit kann die Herzrhythmusstörung über die Elektrodenkatheter wieder beendet werden.
Anschließend wird über einen Ablationskatheter, dessen Spitzenelektrode mittels Hochfrequenzstrom auf eine Temperatur von 60-70 Grad Celsius erwärmt wird, eine der beiden Bahnen verödet.
Nach einer Wartephase von 30 min, nach der die Herzrhythmusstörung nicht mehr auslösbar ist, werden die Elektrodenkatheter entfernt und der Patient wieder auf die Normalstation zurückverlegt. Zur Vermeidung lokaler Nachblutungen sollte der Patient bis zum nächsten Morgen Bettruhe einhalten.
Im Falle eines Wiederauftretens der Herzrhythmusstörung ist ein Wiederholungseingriff sinnvoll; das Rückfallrisiko nach einer ersten, erfolgreich durchgeführten Katheterablation ist jedoch mit ca. 5 % sehr gering.
Bei der Katheterablation einer akzessorischen Leitungsbahn wird nach Einlegen von mehreren Elektrodenkathetern über die Leistenvene mittels elektrischer Stimulationstechniken die Kurzschlussverbindung lokalisiert. Falls es sich um eine Leitungsbahn zwischen rechtem Vorhof und rechtem bzw. linker Hauptkammer handelt, wird die Katheterbehandlung wie bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie über die Leistenvene durchgeführt. Falls es sich um eine Leitungsbahn zwischen linkem Vorhof und linker Hauptkammer handelt, wird diese entweder über die Leistenarterie oder ggfs. über die Leistenvene mit Einführen des Ablationskatheters durch die Vorhofscheidewand (transseptale Punktion) in den linken Vorhof verödet. Nach Punktion der Leistenarterie ist ein 2-tägige stationäre Nachbeobachtung zur Vermeidung einer lokalen Nachblutung angezeigt. Das Rückfallrisiko, das einen Wiederholungseingriff notwendig macht, liegt im Mittel bei ca. 8%.
Die Katheterablation erfordert einen Krankenhausaufenthalt von 2 Tagen.