Elektrophysiologische Untersuchungen und Katheterablationen

Seit April 2016 verfügt das Diakonie-Klinikum Stuttgart über einen hochmodernen elektrophysiologischen Messplatz mit einer speziell für elektrophysiologische Interventionen ausgerichteten Herzkatheteranlage.

Die exakte dreidimensionale Darstellung des linken Vorhofs wird durch die Rotations-angiographische Bildgebung im Herzkatheterlabor ermöglicht, die für die Durchführung linearer Ablationslinien wie bei der elektrischen Isolation der Lungenvenen bei Vorhofflimmern sinnvoll ist.

Mit Hilfe des in den elektrophysiologischen Messplatz integrierten dreidimensionalen elektro-anatomischem Mappingsystems ENSITE NavX bzw. ARRAY können Katheter ohne röntgenologische Kontrolle im Herzen mittels Impedanz-Messung bzw. Magnetfeld-basiert geortet und geführt werden. Dies ermöglicht neben einer erheblichen Reduzierung der Strahlenbelastung ebenfalls eine dreidimensionale Rekonstruktion beliebiger kardialer Strukturen und Analyse komplizierter elektrischer Erregungsabläufe im Herzen.

Inhalte dieser Seite im Überblick:

1) Elektrophysiologische Untersuchung

2) Katheterablationen mit elektro-anatomischem Mappingsystem

3) Vorhofflimmern

4) Vorhofflattern

5) AV-Knoten-Reentry-Tachykardien bzw. AV-Reentry-Tachykardien

 

1) Elektrophysiologische Untersuchung

Die intrakardiale elektrophysiologische Untersuchung (EPU) ist eine diagnostische Massnahme, bei der aus der Innenseite des Herzens mit Hilfe mehrpoliger Kabel (Elektrodenkatheter) — wie bei einem Elektrokardiogramm (EKG) von der Haut — Herzströme abgeleitet werden. Damit ist es möglich, insbesondere die Bedeutung schneller Herzrhythmusstörungen (Tachykardien) und ihre Therapiebedürftigkeit zu beurteilen.

Nach örtlicher Betäubung werden diese sehr dünnkalibrigen Elektrodenkatheter über die Leistenvenen, ggfs. auch zusätzlich über die Vene der linken Armbeuge unter kurzfristiger röntgenologischer Durchleuchtungskontrolle in das rechte Herz eingeführt.

Röntgenbild der Elektrodenkatheter zur Durchführung einer elektrophysiologischen Untersuchung

Dies ist ein schmerzfreier Vorgang. Bei starker innerer Unruhe des Patienten kann jedoch die Einleitung eines leichten Dämmer- oder Schlafzustandes sinnvoll sein. 

Nachdem die Elektrodenkatheter korrekt platziert sind, erfolgt die Registrierung der Herzströme. Mit Hilfe eines externen Stimulationsgerätes, das niederenergetische Impulse über die Elektrodenkatheter an das Herz abgibt, kann das Herz in jeden beliebigen Rhythmus versetzt werden. Die Impulse, die über das Stimulationsgerät abgegeben werden, empfindet der Patient ausschließlich als harmlose Extraschläge (Extrasystolen). Ziel dieser programmierten Stimulation ist, insbesondere Wiedereintritts-Tachykardien („reentry“), die auf kreisenden Erregungsabläufen beruhen sowie von einem Punkt ausgehende Tachykardien (fokale Tachykardien) zu induzieren, die mit einer Verödungstherapie (Ablation) zur Ausheilung gebracht werden können.

Wenn medizinisch sinnvoll und technisch komplikationsarm möglich, wird in aller Regel nach Stellung der exakten elektrophysiologischen Diagnose der für die Symptomatik des Patienten verantwortlichen Herzrhythmusstörung in gleicher Sitzung eine Katheterablation durchgeführt.

Bei der Katheterablation werden Strukturen des Herzens, die für das Auftreten der betreffenden Rhythmusstörung verantwortlich sind, mit Hilfe spezieller Ablationskatheter gezielt zerstört bzw. von anderen Strukturen des Herzens elektrisch isoliert. Die Aufwärmung der Elektrodenspitze des Ablationskatheters auf ca. 60-70 Grad Celcius führt zur Abtötung des, der Elektrodenspitze anliegenden, Herzmuskelgewebes mit einer wenige Millimeter betragenden Narbe, die im Gegensatz zum intakten Herzmuskelgewebe elektrisch nicht leitfähig ist. Dieser Verlust an Herzmuskelgewebe hat keinen Einfluss auf die Gesamt-Pumpleistung des Herzens.

2) Katheterablationen mit elektro-anatomischem Mappingsystem

Dreidimensionale Mappingsysteme stellen eine wertvolle Bereicherung der Katheterablation von Herzrhythmusstörungen dar, da hiermit insbesondere komplexe sowie hämodynamisch schlecht tolerierte Rhythmusstörungen besser erfasst werden können. Mit Hilfe dieser Techniken sind Rhythmusstörungen des Herzens behandelbar, die bisher mit konventionellen Lokalisationsverfahren („Mapping“) nur schwer therapierbar waren.

Das dreidimensionale Mappingsystem ENSITE NavX wird im Diakonieklinikum Stuttgart bei ausgewählten elektrophysiologischen Eingriffen eingesetzt. Dieses Verfahren erlaubt durch Messung der Impedanz eines schwachen elektrischen Stromes eine dreidimensionale Positionsbestimmung von Elektrodenkathetern. Mit Hilfe dieser Katheterortung können Herzstrukturen dreidimensional rekonstruiert und elektrische Erregungsabläufe analysiert werden.

Diese Rekonstruktion erlaubt in Verbindung mit der Rotationsangiographischen Bildgebung eine exakte anatomische Aufarbeitung der für die Katheterablation relevanten Herzhöhlen. Eine detaillierte räumliche Darstellung der Lungenvenen in ihrer genauen Lagebeziehung zum linken Vorhof bzw. linkem Vorhofohr ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Lungenvenen-Isolation bei Patienten mit Vorhofflimmern.

Ein spezieller Multi-Elektrodenkatheter ENSITE ARRAY erlaubt als simultanes Lokalisationsverfahren eine gleichzeitige Erfassung von 3.000 Elektrogrammen. Ein besonderer Vorteil dieser Technik ist die genaue Lokalisierung von Herzrhyth-musstörungen, die nicht stabil auszulösen sind oder hämodynamisch schlecht toleriert werden. Tatsächlich ist es möglich, mit Erfassung nur eines einzelnen Tachykardieschlages die Rhythmusstörung zu lokalisieren und Strategien zur Ablation zu entwerfen. Dieser Multi-Elektrodenkatheter wird im Diakonieklinikum Stuttgart insbesondere bei der Katheterablation von fokalen Herzrhythmusstörungen des rechten Herzens eingesetzt.

Ablation von ventrikulären Extrasystolen aus der Aortenwurzel mit Kontrastierung der linken Koronararterie

Das elektrophysiologische Team verfügt über Erfahrung in der Katheterablationen bei mehreren tausend Eingriffen, insbesondere bei Patienten mit Vorhofflimmern mit mehr als 1.000 Pulmonalvenen-Isolationen. Im Diakonie-Klinikum Stuttgart werden jährlich mehr als 300 Katheterablationen durchgeführt. Davon sind mehr als 50% der Interventionen Katheterablationen bei Patienten mit Vorhofflimmern bzw. atypischem Vorhofflattern aus dem linken Vorhof.

Die häufigsten Herzrhythmusstörungen, die am Diakonie-Klinikum Stuttgart einer Katheterablation unterzogen werden, sind paroxysmales bzw. kurzfristig anhaltendes Vorhofflimmern, Vorhofflattern, AV-Knoten-Reeentry-Tachykardie bzw. Tachykardien unter Einbezug akzessorischer Leitungsbahnen.

Seit Januar 2019 ist das Diakonie-Klinikum Stuttgart von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie als Stätte der Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie - Invasive Elektrophysiologie anerkannt.

3) Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter. Das Risiko, von Vorhofflimmern betroffen zu werden, steigt mit dem Alter. Bei Menschen unter 50 Jahren liegt die Häufigkeit bei deutlich unter 1 %, bei den über 60-Jährigen liegt sie bei 4-6 % und bei den über 80-Jährigen bei 9-16 %.

Vorhofflimmern führt oft zu Herzstolpern und Herzrasen, verbunden mit innerer Unruhe, Angstgefühlen, Abgeschlagenheit, einer Neigung zu Schweißausbrüchen, Atemnot, Brustschmerz, Schwindel und einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Bei Vorhofflimmern kreisen in den Herzvorhöfen elektrische Erregungswellen, die zu einer Vorhoffrequenz von bis zu 350 Schlägen pro Minute führen. Dann können die Vorhöfe sich nicht mehr zusammenziehen; sie flimmern nur noch. An der Pumpleistung des Herzens können sie nicht mehr teilnehmen. Damit können bis zu 20 % der Herzleistung entfallen.

Störende elektrische Impulse, die Vorhofflimmern hervorrufen können, kommen meist aus dem Bereich, in dem die Lungenvenen in die Hinterwand des linken Vorhofs münden. Eine wichtige Rolle für die Entstehung dieser Herzrhythmusstörung spielt die Beschaffenheit des Herzmuskelgewebes. Narben und Entzündungen verändern dessen Struktur und bereiten dadurch die Grundlage für die Entstehung von Vorhofflimmern. Allerdings finden sich bei etwa 10 % der Patienten keine Erkrankungen, die das Vorhofflimmern erklären können (idiopathisches Vorhofflimmern).

Neben der pharmakologischen Behandlung des Vorhofflimmerns gewinnt die Verödungsbehandlung (Katheterablation) infolge ihrer höheren Effektivität in der Unterdrückung des Vorhofflimmerns immer mehr an Bedeutung.

Die Katheterablation hat zum Ziel, durch das gezielte Setzen von Verödungszonen Barrieren aufzubauen, um das Auftreten und die Aufrechterhaltung von Vorhofflimmern zu verhindern. Diese Barrieren werden in der linken Herzvorkammer in aller Regel um die Lungenvenen (Pulmonalvenen) gezogen, um die Störfeuer aus diesen Venen zu blockieren. Bei langanhaltendem Vorhofflimmern (persistierendes Vorhofflimmern) können bei Bedarf zusätzliche punktuelle bzw. lineare Verödungszonen mit der Ablation („Substratmodifikation“) geschaffen werden, um das Vorhofflimmern nachhaltig zu beeinflussen.

Legende: Multi-Elektrodenkatheter in Echtzeit zur Registrierung der elektrischen Potentiale von der Innenseite des linken Vorhofs.

Im Bedarfsfall werden bevorzugt im linken Vorhof punktuell-flächenhafte bzw. lineare Verödungszonen mit der Ablation („Substratmodifikation“) geschaffen, um das Vorhofflimmern nachhaltig zu beeinflussen.

Aufgrund der großen Erfahrung von mehr als 15 Jahren und ständiger technologischer Weiterentwicklung kann die Katheterablation in erfahrener Hand heutzutage als modernes Routineverfahren eingestuft werden.

Die größte Erfahrung gibt es heute mit der Hochfrequenzstrom-Ablation von Vorhofflimmern. Über einen Elektrodenkatheter werden mit Hilfe von Hochfrequenzstrom im linken Vorhof punktförmige Verödungszonen so gesetzt, dass sich zusammenhängende Linien bilden, die zum Beispiel die Pulmonalvenen umschließen und komplett isolieren.

Die Katheterablation erfordert einen Krankenhausaufenthalt von 4 Tagen unter Einschluss des Aufnahmetages. Vor der Durchführung der Katheterablation wird das Herz mit Hilfe des Ultraschalls (Echokardiographie) sowohl durch den Brustkorb als auch über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie) untersucht. Zur Durchführung der Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre muss ein dünner Ultraschallschlauch geschluckt werden. Da die Untersuchung etwas unangenehm ist, wird der Patient in einen kurzen Schlafzustand versetzt. Sie ist notwendig, um mögliche Veränderungen des Herzens beurteilen zu können und um Blutgerinnsel (Thromben), die sich bei Patienten mit Vorhofflimmern im Herzen bilden können, zu erkennen.

In einigen Behandlungszentren wird vor der Ablationsbehandlung eine Schichtaufnahme vom Herzen (Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) durchgeführt. In unserem Hause wird regelhaft unmittelbar vor der Katheterablation eine Rotations-angiographische Bildgebung im Herzkatheterlabor vorgenommen.

Rotations-angiographische Bildgebung des linken Vorhofs sowie der Lungenvenen

Diese dreidimensionale Rekonstruktion ermöglicht eine exakte anatomische Aufarbeitung des linken Vorhofs. Eine detaillierte räumliche Darstellung der Lungenvenen in ihrer exakten Lagebeziehung zum linken Vorhof ist eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Katheterablation bei Vorhofflimmern.

Abbildung: Dreidimensionale Ansicht des linken Vorhofs von hinten mit Darstellung aller vier Lungenvenen.

Abbildung: Dreidimensionale Darstellung des linken Vorhofs von links mit Darstellung des linken Vorhofohrs (im Bild links) sowie der linken oberen und unteren Lungenvene.

Der Eingriff der Katheterablation dauert insgesamt etwa 2-3 Std. Um den Patienten so schonend wie möglich zu behandeln, werden Medikamente eingesetzt, die ihn in einen Dämmer- oder Schlafzustand versetzen.

Anschließend werden von der rechten Leiste aus mehrere millimeterdünne Kunststoffschläuche (Elektrodenkatheter) zum Herzen vorgeschoben und nach Punktion der Vorhofscheidewand (transseptale Punktion) in den linken Vorhof platziert. Mit diesen Kathetern kann der Kardiologe die elektrischen Ströme, die durch das Herz fließen, aufzeichnen und beurteilen. Die eigentliche Behandlung erfolgt dann mit dem Ablationskatheter, dessen Spitzenelektrode mittels Hochfrequenzstrom auf eine Temperatur von 60-70 Grad Celsius erwärmt wird. Dies ermöglicht eine Punkt für Punkt-Verödung von Herzmuskelzellen, sodass eine Isolationslinie entsteht, die die Ausbreitung von störenden elektrischen Impulsen unterbricht und dadurch das Vorhofflimmern verhindert. Mit Hilfe modernster Technologien, die ohne röntgenologische Kontrolle eine exakte dreidimensionale Positionsbestimmung der Elektrodenkatheter ermöglichen, können die einzelnen Verödungsimpulse exakt gesetzt werden.

Abbildung: Zirkumferentielle Isolationslinien (rot) um die Lungenvenen. Temperatursonde in der Speiseröhre (blau). Spiralförmiger ("Lasso"-)Elektrodenkatheter (gelb) in der rechten oberen Lungenvene. Mehrpoliger Elektrodenkatheter (grün) in Herzvene zur Stimulation des linken Vorhofs.

Neueste Katheter-Techniken erlauben die Bestimmung des Anpressdruckes der Elektrode an der Vorhofwand. Dies erlaubt eine effektive und sichere Abgabe der Energie zur Verödung. Dieser Teil der Ablationsbehandlung dauert etwa 1-1,5 Stunden. Der Arzt kann dabei durch die Änderung der elektrischen Potenziale des Herzens erkennen, wie wirksam die Isolation der Lungenvenen ist. Das Behandlungsziel ist erreicht, wenn alle vier Pulmonalvenen isoliert, das heisst elektrisch komplett vom linken Vorhof getrennnt sind. Falls nach einer 30-minütigen Wartephase die Lungenvenen stabil elektrisch isoliert bleiben, werden die Katheter aus dem Herzen zurückgezogen und der Patient wird noch im Katheterlabor allmählich wach. Die weitere Behandlung erfolgt dann wieder auf der Normalstation, wobei der Patient bis zum nächsten Morgen Bettruhe zur Vermeidung von lokalen Nachblutungen in der Leiste einhalten sollte.

Mit der Katheterablation lassen sich bei Patienten mit anfallsweisem oder kurzfristig-anhaltendem Vorhofflimmern nach einem einmaligen Eingriff Erfolgsraten von immerhin bis zu 70 % erreichen. Bei Patienten mit längerfristig anhaltendem Vorhofflimmern sind die Erfolgsraten geringer, da die durch das Vorhofflimmern bedingten Umbauprozesse (Fibrose), die das Vorhofflimmern unterhalten, ausgeprägter sind.

Bei Patienten, bei denen durch den ersten Eingriff keine ausreichende und dauerhafte Unterdrückung des Vorhofflimmerns erreichbar ist, wird in der Regel ein zweiter Eingriff, in selteneren Fällen auch ein dritter Eingriff erforderlich. Damit lässt sich die Erfolgsrate der Behandlungsmethode deutlich auf bis 80-85 % steigern. Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass sich mit den neuesten Ablationskathetern mit Messung des Anpressdruckes, die bei uns routinemässig eingesetzt werden, die Rezidivraten deutlich reduzieren lassen.

Messung des Anpressdruckes zur Verbesserung der Effektivität der Ablation.
Quelle: St. Jude Medical

Eine erneute Ablation ist jedoch meist ein deutlich kürzerer Eingriff als die erste Ablation, da hier in aller Regel lediglich die aufgetretenen Lücken in den Ablationslinien um die Pulmonalvenen aufgesucht und geschlossen werden müssen.

Der Behandlungserfolg stellt sich bei einem Teil der Patienten bereits unmittelbar nach der Katheterablation ein. Bei einem anderen Teil der Patienten kommt es insbesondere innerhalb der ersten Wochen nach der Behandlung noch zu Anfällen von Vorhofflimmern. Oft gehen die Anfälle von Vorhofflimmern zurück, und es kann im Verlauf von Wochen doch noch eine vollständige Unterdrückung der Herzrhythmusstörung erreicht werden. Das bedeutet, dass sich das Endergebnis der Behandlung erst nach etwa drei Monaten abschätzen lässt.

Innerhalb der ersten 2 Monate nach der Ablation wird eine Gerinnungshemmung mit Marcumar bzw. den neuen Gerinnungshemmern dringend angeraten, da es andernfalls zur Gerinnselbildung entlang der Verödungslinien kommen kann. Bei Patienten mit einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko sollte die Gerinnungshemmung auch nach einer erfolgreichen Ablation besser beibehalten werden.

4) Vorhofflattern

Beim Vorhofflattern handelt es sich in ca. 90 % der Fälle um ein typisches Vorhofflattern mit einer Kreiserregung im Bereich des rechten Vorhofs. Sie verläuft in ca. 80 % der Fälle von typischem Vorhofflattern entgegen dem Uhrzeigersinn vorhofseitig entlang dem Klappenring zwischen rechtem Vorhof und rechter Hauptkammer (Trikuspidalklappe). Dort besteht eine für das Vorhofflattern wichtige anatomische Engstelle (rechtsatrialer Isthmus), durch welche die Erregungsfront geleitet wird. Diese Engstelle liegt zwischen dem Mündungsbereich der unteren Hohlvene in den rechten Vorhof und der Trikuspidalklappe.

In den meisten Fällen ist Vorhofflattern mit einer im Vergleich zum normalen Herzrhythmus rascheren Kammerfrequenz verbunden. Die häufigsten Beschwerden sind Herzklopfen, innere Unruhe. Herzjagen, Luftnot, allgemeine körperliche Schwäche und schnellere Ermüdbarkeit. Neben der subjektiven Beeinträchtigung kann es infolge der Verlangsamung des Blutstroms zu einer Gerinnselbildung im Vorhofohr mit der Gefahr eines Schlaganfalls kommen. Diese Gefahr besteht insbesondere bei zusätzlichem Vorhofflimmern.

Da eine pharmakologische Behandlung bzw. eine Beendigung des Vorhofflatterns mittels elektrischem Schock (Kardioversion) mit einem hohen Rezidivrisiko verbunden ist, sollte die Verödungstherapie (Katheterablation) als Therapiemöglichkeit frühzeitig in Betracht gezogen werden.

Die Katheterablation erfordert einen Krankenhausaufenthalt von 2 Tagen unter Einschluss des Aufnahmetages. Bei Patienten mit anhaltendem Vorhofflattern, die vor der Katheterablation nicht längerfristig mit Gerinnungshemmern behandelt sind, wird das Herz vor der Katheterablation mit Hilfe des Ultraschalls über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiographie) zum Ausschluss von Gerinnseln im linken Vorhofohr untersucht. Zur Durchführung der Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre muss ein dünner Ultraschallschlauch geschluckt werden. Da die Untersuchung im wachen Zustand mit Würgereiz verbunden ist, wird der Patient in einen kurzen Schlaf versetzt.

Der Eingriff der Katheterablation dauert insgesamt üblicherweise etwa 1-1,5 Stunden. Da die Hochfrequenzstrom-Anwendung schmerzhaft sein kann, bekommt der Patient Medikamente zur Beruhigung und Schmerzlinderung.

Bei der Ablation werden von der Leiste zwei millimeterdünne Kunststoffschläuche (Elektrodenkatheter) zum Herzen geführt und dort platziert. Nach der Aufzeichnung und Beurteilung der elektrischen Ströme im Herzen wird mit einem der Katheter, dem Ablationskatheter mit einzelnen Hochfrequenzstromimpulsen eine Verbindungslinie zwischem dem Ring der Trikuspidalklappe und der Einmündung der unteren Hohlvene in den rechten Vorhof gezogen. Hierbei wird die Spitzenelektrode des Ablationskatheters auf eine Temperatur von 60-70 Grad Celsius erwärmt. Ziel ist die elektrische Unterbrechung der in diesem Bereich verlaufenden Kreiserregung des Vorhofflatterns. Dies gelingt heute bei näherungsweise 100 % der Patienten. Falls nach einer 30-minütigen Wartephase die Ablationslinie elektrisch dicht erscheint, werden die Katheter aus dem Herzen zurückgezogen und der Patient auf die Normalstation zurückverlegt. Zur Vermeidung von lokalen Nachblutungen im Bereich der Leiste sollte der Patient bis zum nächsten Morgen Bettruhe einhalten.

Aufgrund der Länge dieser anatomischen Region von mehreren Zentimetern besteht die Gefahr, dass sich an einzelnen Stellen das verödete Herzmuskelgewebe wieder erholt und erneut elektrisch leitfähig wird. In ca. 10 % der behandelten Fälle kann es zum Rezidiv mit Wiederauftreten von Vorhofflattern kommen. Auch wenn gelegentlich ein zweiter Eingriff notwendig ist, gibt es heutzutage praktisch keine Fälle mehr, in denen diese Form des Vorhofflatterns nicht beseitigt werden kann. Eine erneute Ablation ist meist ein deutlich kürzerer Eingriff als die erste Ablation, da hier lediglich die aufgetretene Lücke in der Ablationslinie aufgesucht und durch erneute Verödung geschlossen wird.

Visualisierung eines linksatrialen Vorhofflatterns mittels flächenförmigem und hochauflösendem Multi-Elektrodenkatheter, das über das Vorhofdach kreist


5) AV-Knoten-Reentry-Tachykardien bzw. Tachykardien unter Einbezug zusätzlicher (akzessorischer) Leitungsbahnen

Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) bzw. die Tachykardien unter Einbezug akzessorischer Leitungsbahnen (AVRT) betreffen normalerweise junge Menschen, können aber auch im höheren Erwachsenenalter auftreten.

Typisch ist ein plötzlich auftretendes Herzrasen, das aus völliger Ruhe heraus auftritt und ebenso schnell wieder verschwindet. Die Anfälle können wenige Minuten anhalten, können aber auch infolge mehrstündiger Anfallsdauer eine notfallmäßige Krankenhausaufnahme nötig machen. Die Patienten haben oft das Empfinden, als ob das Herzrasen ohne äußeren Anlass wie durch das Umlegen eines Schalters ausgelöst und auch wieder beendet wird. Manchmal können Schwindel und in seltenen Fällen auch Ohnmachtsanfälle auftreten. Lebensgefährlich ist diese Herzrhythmusstörung normalerweise nicht. Die Beschwerden sind jedoch im Einzelfall sehr unangenehm und können zum Beispiel im Straßenverkehr durchaus gefährlich werden.

Ursächlich verantwortlich für diese Herzrhythmusstörungen ist entweder eine — vereinfacht gesprochen — doppelte elektrische Leitung im sogenannten AV-Knoten, über den die Erregung von den Vorhöfen auf die Herzkammern übertragen wird oder eine angeborene  Kurzschlussverbindung zwischen Vorhof und Hauptkammer auf der rechten oder linken Seite des Herzens.

Die Doppelung der Erregungsleitung im AV-Knoten stellt für sich alleine keinen krankhaften Befund dar. Im Laufe des Lebens kann es jedoch zu Veränderungen der Leitungseigenschaften dieser beiden „AV-Knoten-Bahnen“ kommen, die zu einer kreisenden Erregung der elektrischen Impulse und dadurch zu einem stark beschleunigten Puls führen. Die angeborene Kurzschlussverbindung zwischen Vorhof und Hauptkammer führt demgegenüber entweder zu einer kreisenden Erregung unter - in der Regel -  Einbezug des AV-Knotens oder zu einer schnellen Überleitung von Rhythmusstörungen der Vorhöfe wie Vorhofflimmern auf die Hauptkammer.

Bei subjektiver Einschränkung der Lebensqualität, insbesondere bei sehr häufigen und langanhaltenden Anfällen mit Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen bzw. der Notwendigkeit zur Notfalleinweisung in ein Krankenhaus sollte auch bei jungen Menschen eine Verödung (Katheterablation) der überflüssigen Leitungsbahn angeraten werden, da in über 95 % die Patienten mit diesem Eingriff geheilt werden können.

Die Katheterablation erfordert einen Krankenhausaufenthalt von 2-3 Tagen unter Einschluss des Aufnahmetages. Der Eingriff der Katheterablation dauert üblicherweise 1-1,5 Std.

Bei der Katheterablation einer AV-Knoten-Reentry-Tachykardie werden nach örtlicher Betäubung von der Leistenvene aus mehrere millimeterdünne Kunststoffschläuche (Elektrodenkatheter) zum Herzen vorgeschoben und dort platziert. Bei großer innerer Unruhe des Patienten können Medikamente eingesetzt werden, die ihn in einen leichten Dämmer- oder Schlafzustand versetzen. Es muss jedoch betont werden, dass — abgesehen von der lokalen Betäubung — der Eingriff völlig schmerzfrei ist.

Zur sicheren Feststellung einer AVNRT wird die Herzrhythmusstörung durch elektrische Impulse ausgelöst, die der Patient jedoch allenfalls als einzelne Extraschläge verspürt. Jederzeit kann die Herzrhythmusstörung über die Elektrodenkatheter wieder beendet werden.

Anschließend wird über einen Ablationskatheter, dessen Spitzenelektrode mittels Hochfrequenzstrom auf eine Temperatur von 60-70 Grad Celsius erwärmt wird, eine der beiden Bahnen verödet.

Positionierung des Ablationskatheter (Katheter mit verdickter Katheterspitze) zur Verödung einer der
beiden Leitungsbahnen bei AV-Knoten-reentry-Tachykardie

Nach einer Wartephase von 30 min, nach der die Herzrhythmusstörung nicht mehr auslösbar ist, werden die Elektrodenkatheter entfernt und der Patient  wieder auf die Normalstation zurückverlegt. Zur Vermeidung lokaler Nachblutungen sollte der Patient bis zum nächsten Morgen Bettruhe einhalten.

Im Falle eines Wiederauftretens der Herzrhythmusstörung ist ein Wiederholungseingriff sinnvoll; das Rückfallrisiko nach einer ersten, erfolgreich durchgeführten Katheterablation ist jedoch mit ca. 5 % sehr gering.

Bei der Katheterablation einer akzessorischen Leitungsbahn wird nach Einlegen von mehreren Elektrodenkathetern über die Leistenvene mittels elektrischer Stimulationstechniken die Kurzschlussverbindung lokalisiert. Falls es sich um eine Leitungsbahn zwischen rechtem Vorhof und rechtem bzw. linker Hauptkammer handelt, wird die Katheterbehandlung wie bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie über die Leistenvene durchgeführt. Falls es sich um eine Leitungsbahn zwischen linkem Vorhof und linker Hauptkammer handelt, wird diese entweder über die Leistenarterie oder ggfs. über die Leistenvene mit Einführen des Ablationskatheters durch die Vorhofscheidewand (transseptale Punktion) in den linken Vorhof verödet. Nach Punktion der Leistenarterie ist ein 2-tägige stationäre Nachbeobachtung zur Vermeidung einer lokalen Nachblutung angezeigt. Das Rückfallrisiko, das einen Wiederholungseingriff notwendig macht, liegt im Mittel bei ca. 8%.

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